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Schwäbisch Gmünd – Winfried Hermann lobte das Engagement der Stadtverwaltung und das Interesse der Bürger. Der Verkehrsminister tadelte aber die deutschen Autobauer: „Zu lange arrogant“.

Zum ersten Gmünder „Forum Elektromobilität“ vor sieben Jahren kamen 20 Besucher. Die von der Stadtverwaltung, den Stadtwerken und der IHK Ostwürttemberg organisierte Veranstaltung ist inzwischen zur größten Plattform für Elektromobilität in Süddeutschland gewachsen. Bei der sechsten Auflage am Dienstag im Congress Centrum Stadtgarten hatte sogar der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann die Schirmherrschaft übernommen – und ließ den „Funken E-Mobilität“ bei den gut 400 Besuchern richtig zünden. Die bekamen nicht nur Fachinformationen geboten, sie durften auch E-Mobilität hautnah erleben und erproben.

21 Aussteller präsentierten ihre Mobilitätsprodukte und -dienstleistungen, die Autohäuser Baur, Mercedes-Benz, Schramel, Wagenblast, Widmann und WWGAutowelt luden zu Probefahrten mit ihren E-Modellen ein, bei Schmidt und Nubuk konnte man E-Bikes testen. Und exklusiv wurden die neuen Pedelecs aus dem Regio-Rad-Stuttgart-Verleihsystem präsentiert.

Über das große Publikumsinteresse freuten sich bei der Begrüßung Richard Arnold und IHK Hauptgeschäftsführerin Michaele Eberle. Das Thema, wie wir uns künftig fortbewegen, stehe heute auf der politischen Agenda ganz oben, sagte der OB. Und zeichnete die Gmünder Erfolgsgeschichte auf: „E-Mobilität ist in unserer Stadtverwaltung Alltag mit E-Autos, E-Rollern, Dienst-Pedelecs und Segways.

Mit 29 Ladestationen von den Stadtwerken müsse sich Gmünd vor größeren Städten nicht verstecken. Bereits im Frühjahr 2016 habe Gmünd das Elektromobilitätsgesetz umgesetzt und kostenfreies Parken für Elektrofahrzeuge ermöglicht. Vorzeigeprojekte zu Bildung und E-Mobilität führe die Technische Akademie unter der Leitung von Michael Nanz durch. Und gefördert vom Land würden auf dem Hardt zwei Mobilitätsstationen für E-Car- und Bike-Sharing installiert.

Gmünd beteilige sich, so Arnold, auch am Verbundprojekt „Saubere Luft“, das den Aufbau von Ladeinfrastruktur auf privatem Grund mit bis zu 50 Prozent fördert. „Geplant ist die Erstellung eines umfassenden Elektromobilitätskonzeptes“, schloss Arnold.

Jörg Friedrichs von der Deutschen Post AG referierte über die Erfolgsgeschichte Street-Scooter, durch den die Deutsche Post DHL Group zum Automobilhersteller (OEM) geworden sei. Die Mission dafür laute: Null Emissionen bis 2050. Um das zu erreichen, seien bis 2025 Teilziele definiert. Die Post wolle Abholungen und Zustellungen zu 70 Prozent mit sauberen Konzepten durchführen, der Anteil des Umsatzes aus grünen Lösungen soll auf über 50 Prozent gesteigert werden, und 80 Prozent der Mitarbeiter sollen zu Go-Green-Experten zertifiziert werden. Die OEM-Historie, so Friedrichs, habe 2012 mit der an der RWHT Aachen gegründeten Street Scooter GmbH begonnen. 2016 sei die Produktpalette um Pedelecs erweitert worden, heute seien bereits 6500 Street-Scooter im Einsatz und 2019 gehe der neue Laster Work XL in Serie. Die Lösung der Zukunft: „City-Logistik, die Kombination von StreetScooter, Lastenrad und zentralen Umschlagpunkten“, blickte Friedrichs voraus.
Übers Elektro-Ladegesetz für Baden-Württemberg und das Landesprojekt SAFE informierte Dr. Felix Teufel von der EnBW. Technische Herausforderungen würden anstehen: Die Herstellung der Netzstabilität durch Ausbau, die Stromerzeugungsleistung müsse gesteigert werden – „auch wenn es damit heute noch keine Probleme gibt, aber das Kundenverhalten und die Nutzung wird sich ändern“, blickte Teufel voraus. Daher sei ein Umdenken im Alltag notwendig. Es werde bald zu einem „always charged“-Zustand beim Laden der Batterie kommen, privat und öffentlich. Das vom Land geförderte EnBW-Projekt SAFE in Kooperation mit 80 lokalen Versorgen werde in Baden-Württemberg ab April 2019 flächendeckendes Laden ermöglichen, versprach Teufel.

„Der Funke E-Mobilität ist im Automobilland Baden-Württemberg schon übergesprungen“, postulierte Winfried Hermann. Der Verkehrsminister lobte dabei Schwäbisch Gmünd als Pionierstadt. Andere Nationen seien aber schon weiter. Er stehe zur Verpflichtung aus dem Pariser Klimaschutzabkommen, die Emissionen nachhaltig zu senken. Das gehe nur mit einem Wandel der Technologie weg vom Verbrennungsmotor und des individuellen Verhaltens der Menschen: „Da müssen Barrieren im Kopf und Ängste wie vor der mangelnden Reichweite von E-Autos abgebaut werden.“ Und die Autobauer müssten sich anstrengen, preiswerter und zeitnah E-Autos liefern zu können. Hermann ist aber überzeugt: „Es gibt Lösungen.“ In der von Peter Schwierz, Chefredakteur von electric.net, moderierten Podiumsdiskussion prallten „zwei Welten“ aufeinander: Der „grüne“ Hermann und die Organisationsberaterin Beate Munding vom Zukunfts-Institut aus Hamburg kontra Dr. Stefan Niemand, Leiter Elektrifizierung bei Audi, und Dr. Walter Schwelberger, Geschäftsführer der PTS Prüftechnik in Waldstetten. „Wir haben nun den Audi-e-tron herausgebracht,“ sagte Niemand, „aber wir müssen auch den Faktor Wirtschaftlichkeit beachten, und da gibt es mit der Batterie Probleme“ Und: Nur an Elektroantrieb zu denken, reiche nicht, man müsse auch ein Auto insgesamt bauen können – Niemand: „Das kann Tesla nicht.“ Dem pflichtete Schwelberger zu: „Die deutschen OEMs bauen die besseren Autos.“ Der Technologiewandel werde sich noch bis zu sieben Jahren hinstrecken: „Wir prüfen auf unseren Ständen derzeit noch 80 Prozent die Antriebsstränge von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren, aber wir testen auch schon batterie- oder brennstoffzellengetriebene Fahrzeugen.“ „Die deutschen OEMs waren zu lange arrogant“, provozierte Hermann, und Niemand konterte: „Wir arbeiten an Zukunftskonzepten, wissen aber auch, dass der Premiummarkt am stärksten wächst. Beate Munding stand Hermann bei: „Wir brauchen künftig eine Multimobilität und keine opulenten SUVs von Audi.“

Originaltext von Winfried Hofele aus der Gmünder Tagespost vom 26.09.2018