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Professor Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Professor Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

171 Wissenschaftler haben in einem offenen Brief an die EU-Kommission geschrieben und dargelegt, dass die Berechnung der CO2-Emissionen, die beim Betrieb von E-Autos entstehen, nicht richtig sind. Und zwar nicht nur ein wenig, sondern gleich im großen Stil. Nach dem gängigen Ansatz verursache etwa ein E-Auto von VW, der ID3, binnen 16 Jahren und bei einer Laufleistung von 224 000 Kilometern 14 Tonnen CO2. Mit dem Berechnungsansatz von Thomas Koch komme man dagegen auf einen Wert von 30 Tonnen, wie die Stuttgarter Nachrichten berichten.

Das sorgt natürlich für heftige Diskussionen und ist Wasser auf den Mühlen der E-Kritiker. In dem Brief sprechen sich die Unterzeichner für mehr Technologieoffenheit bei der Förderung alternativer Antriebe aus. Das ist kein neuer Vorwurf an die Politik. Wasserstoff oder auch synthetische Kraftstoffe sollten nach Ansicht der Wissenschaftler stärker mit in die Betrachtung einbezogen werden. Anstatt sich jedoch mit den Argumenten auseinander zu setzen, werden die Verfasser, unter anderem auch der renommierte Experte und Mitinitiator Professor Thomas Koch vom Karlsruher KIT, in die Lobbyismus -Ecke gestellt. Ein Vorwurf der zu kurz greift.

Professor Koch legt nach und stellt fest: Wir wurden bisher zwar kritisiert, aber nicht widerlegt! In einem Interview mit dem Branchendienst Auto-medienportal.Net stellt er klar:

„Die gängigen Berechnungen lassen die CO2-Belastung durch zusätzliche elektrische Verbraucher, Wärmepumpen, Rechenzentren und natürlich auch Elektroautos weitaus niedriger aussehen als sie in Wirklichkeit ist. Denn sie legen grundsätzlich den aktuellen Strommix zugrunde und vernachlässigen dabei, dass der durch elektrische Verbraucher bedingte Zusatzbedarf zu einem weitaus höheren CO2-Ausstoß führt. In der Ökonomie spricht man von Grenzkosten. Dies bedeutet, dass sich mit jedem Verbraucher typischerweise auch der Mittelwert des Strommix ändert, was ebenfalls berücksichtigt werden muss. Mit der vorhandenen elektrischen Energiebereitstellung von Photovoltaik und Windkraft, die wir natürlich nach Kräften ausbauen sollten, schaffen wir es nicht ansatzweise in den nächsten Jahren, die vorhandenen elektrischen Verbraucher im Jahresmittel und in Summe zu bedienen.“

Die Diskussion ist wichtig und zeigt, dass nur der undogmatische Umgang mit alternativen Antrieben zum Ziel führt. Dass die E-Mobilität in dieser Zukunft ihren festen Platz hat, will auch Professor Koch nicht leugnen.

Das ganze Interview zum nachlesen>>>